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Im Schweizer Exil
In der Kapelle der Villa Prangins am Genfer See, wo die
kaiserliche Familie Asyl gefunden hatte, gibt es dann eine
Herz-Jesu-Statue, vor der ständig eine Lampe brennt. Der
Herz-Jesu-Freitag wird jeweils in Feierlichkeit begangen: Am Morgen
die hl. Messe als missa cantata, zelebriert von Bischof Dr.
Ernst Seydl und mit den beiden Erzherzogen Otto und Robert als
Ministranten. Der kleine Karl Ludwig spricht dann laut sein Gebet:
Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich. Erbarme dich des
Vaterlandes, schließe alle Lieben in dein Herz und bring uns alle
bald wieder glücklich nach Hause zurück! Am Abend, bei der
Segensandacht, wird die Litanei gebetet und das Weihegebet
gesprochen. Dann erklingt das Bundeslied: Auf, zum Schwure, Volk
und Land! Darüber hinaus gab es an jedem Freitag eine eigene
Herz-Jesu Andacht in der Hauskapelle.
Im Kinderzimmer finden wir einen kleinen Hausaltar und auf diesem
ein Herz-Jesu-Bild, vor dem die Kinder ihre Gebete verrichten. Doch
nicht nur die Kinder fanden Hilfe durch das Anschaubare. Der Kaiser
selbst hatte auf seinem Schreibtisch ein Herz-Jesu-Bild, ebenso in
der Nähe seines Bettes.
Er ließ auch Herz-Jesu-Bilder für seine Schwiegermutter, für seine
Schwäger und Schwägerinnen malen und in Silber rahmen und verwendete
sie so als Weihnachtsgeschenke.
Die
oben erwähnte Herz-Jesu-Statue übersiedelte nach dem ersten und
missglückten Restaurationsversuch mit der kaiserlichen Familie nach
Hertenstein am Vierwaldstättersee. Auch hier richtet Karl sogleich
eine Hauskapelle ein, an deren Wand die gestickte Inschrift zu lesen
war: Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich! Immer
wieder fiel die tiefe Sammlung des Kaisers auf, wenn er betete. Man
hatte den Eindruck: Hier kniet ein Engel.
Zweiter Restaurationsversuch
Beim zweiten
Restaurationsversuch flog Karl in Begleitung seiner Gemahlin in das
Umland von Ödenburg (20. Oktober 1921), und bezeichnenderweise hatte
das Paar die Herz-Jesu-Statue aus der Kappelle von Herterstein mit
sich genommen. Sie begleitete dann die Exilanten nach Madeira und
ist dann wieder in der Kapelle der Villa in Lequeitio im Baskenland
zu finden, wo nach dem Tod Karls, seiner Frau und seinen Kindern
eine Bleibe gegönnt sein sollte.
Wir haben die Liebe die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig
aufgenommen (1 Joh 4, 16a).
Der Kaiser hat stets
Zeugnis für die Wahrheit der Liebe Jesu abgelegt, durch ein
unbegrenztes Vertrauen für seien Hilfe. Wenn er von Unserer
Lieben Frau oder vom Heiligsten Herzen Jesu sprach, dann
begann er zu strahlen, und am 14. Februar 1919 schrieb er von
Eckartsau aus an den Wiener Erzbischof Kardinal Gustav Piffl
(1864-1932):
Das Heiligste Herz Jesu und die heiligste Mutter Gottes haben das
Haus Habsburg immer beschützt und erettet; und im April desselben
Jahres, bereits im Schweizer Exil, richtete er an Papst Benedikt XV.
die Worte: Ich verliere nicht den Mut und habe insbesondere das
Vertrauen, dass das Heiligste Herz Jesu das Land, das im geweiht
ist, nicht fallen lassen wird. Aufforderungen, dem Herzen des
Herrn ein unbegrenztes Vertrauen zu schenken, finden sich auch in
Briefen an seine Gemahlin Zita, desgleichen in Gesprächen mit
Bedrückten aller Art: Das Heiligste Herz Jesu wird ihm helfen! -
Er sagte das mit großer Überzeugung... Oder er ermutigte mit den
Worten: Das Heiligste Herz Jesu wird das schon machen! |