Holzschnitzerei Peter Staffler

Kaiser Karl

Herz Jesu und Eucharistie

 
 

Der selige Karl von Österreich hatte die Verehrung des Heiligsten Herzens und die Anbetung Jesu im Alterssakrament nicht in einem getrennten Nebeneinander verstanden, sondern in ihrer Einheit und Verbundenheit.
Er hatte in seiner Hinwendung zum Herrn offensichtlich die ganze Jesus-Wirklichkeit im Blick, und dieses Mit- und Ineinander in der Zuwendung zum Göttlichen Herzen und zur Eucharistie wird sich noch öfter beobachten lassen.
Die beiden beherrschenden Dimensionen seines Frömmigkeitslebens waren auf die Eucharistie und auf das Heiligste Herz bezogen. Im Altarssakrament wusste er das leidende und liebende Herz Jesu gegenwärtig.

   Ein bisher wenig bekanntes Detail, das sich in der Chronik der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz in Laxenburg unter dem 9. Jänner 1918 aufgezeichnet findet, sei hier und in diesem Zusammenhang mitgeteilt:

Der kaiserliche Hof hat in Laxenburg im "Blauen Hof" Wohnung genommen und S. Majestät, Kaiser Karl, fährt jeden Tag mit seinem Auto um 8 Uhr nach Baden ins Kriegskabinett und da sieht er immer, wenn er an der Kapelle vorbeifährt, fromm zum Fenster hinauf, um das Allerheiligste zu grüßen. Auch heute macht er es so...
(Diese Anbetungskapelle befand sich damals in der Nord-West-Ecke des Klostertraktes im 1. Stock.)

Das fügt sich gut in das überlieferte und bekannte Bild ein:
Der Kaiser fuhr an keiner Kirche vorbei, ohne Jesus im Sakrament zu grüßen und ihm Ehre zu erweisen. Dies lehrte er auch seine Kinder: Sie sollten ein Kreuzzeichen machen, wenn sie im Wagen an einer Kirche vorbeikämen.

   Für den eucharistischen Kaiser, wie Exzellenz Fischer-Colbry, Bischof von Kosice, ihn nannte, zählten die Herz-Jesu-Litanei und die Tagzeiten des Herzen Jesu zu seinen bevorzugten Gebeten. Er bestand darauf, bei der Silvesterandacht 1918 in Schloss Eckartsau, als alles verloren schien, das Te Deum zu singen und sprach auf dem Weg in das Schweizer Exil das Wort: Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich!
Er wird diesen Akt des Vertrauens immer im Herzen tragen.
 

 




Im Schweizer Exil

In der Kapelle der Villa Prangins am Genfer See, wo die kaiserliche Familie Asyl gefunden hatte, gibt es dann eine Herz-Jesu-Statue, vor der ständig eine Lampe brennt. Der Herz-Jesu-Freitag wird jeweils in Feierlichkeit begangen: Am Morgen die hl. Messe als missa cantata, zelebriert von Bischof Dr. Ernst Seydl und mit den beiden Erzherzogen Otto und Robert als Ministranten. Der kleine Karl Ludwig spricht dann laut sein Gebet: Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich. Erbarme dich des Vaterlandes, schließe alle Lieben in dein Herz und bring uns alle bald wieder glücklich nach Hause zurück! Am Abend, bei der Segensandacht, wird die Litanei gebetet und das Weihegebet gesprochen. Dann erklingt das Bundeslied: Auf, zum Schwure, Volk und Land! Darüber hinaus gab es an jedem Freitag eine eigene Herz-Jesu Andacht in der Hauskapelle.

   Im Kinderzimmer finden wir einen kleinen Hausaltar und auf diesem ein Herz-Jesu-Bild, vor dem die Kinder ihre Gebete verrichten. Doch nicht nur die Kinder fanden Hilfe durch das Anschaubare. Der Kaiser selbst hatte auf seinem Schreibtisch ein Herz-Jesu-Bild, ebenso in der Nähe seines Bettes.
Er ließ auch Herz-Jesu-Bilder für seine Schwiegermutter, für seine Schwäger und Schwägerinnen malen und in Silber rahmen und verwendete sie so als Weihnachtsgeschenke.

   Die oben erwähnte Herz-Jesu-Statue übersiedelte nach dem ersten und missglückten Restaurationsversuch mit der kaiserlichen Familie nach Hertenstein am Vierwaldstättersee. Auch hier richtet Karl sogleich eine Hauskapelle ein, an deren Wand die gestickte Inschrift zu lesen war: Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich! Immer wieder fiel die tiefe Sammlung des Kaisers auf, wenn er betete. Man hatte den Eindruck: Hier kniet ein Engel.


Zweiter Restaurationsversuch

Beim zweiten Restaurationsversuch flog Karl in Begleitung seiner Gemahlin in das Umland von Ödenburg (20. Oktober 1921), und bezeichnenderweise hatte das Paar die Herz-Jesu-Statue aus der Kappelle von Herterstein mit sich genommen. Sie begleitete dann die Exilanten nach Madeira und ist dann wieder in der Kapelle der Villa in Lequeitio im Baskenland zu finden, wo nach dem Tod Karls, seiner Frau und seinen Kindern eine Bleibe gegönnt sein sollte.

   Wir haben die Liebe die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig aufgenommen (1 Joh 4, 16a).

   Der Kaiser hat stets Zeugnis für die Wahrheit der Liebe Jesu abgelegt, durch ein unbegrenztes Vertrauen für seien Hilfe. Wenn er von Unserer Lieben Frau oder vom Heiligsten Herzen Jesu sprach, dann begann er zu strahlen, und am 14. Februar 1919 schrieb er von Eckartsau aus an den Wiener Erzbischof Kardinal Gustav Piffl (1864-1932):
Das Heiligste Herz Jesu und die heiligste Mutter Gottes haben das Haus Habsburg immer beschützt und erettet; und im April desselben Jahres, bereits im Schweizer Exil, richtete er an Papst Benedikt XV. die Worte: Ich verliere nicht den Mut und habe insbesondere das Vertrauen, dass das Heiligste Herz Jesu das Land, das im geweiht ist, nicht fallen lassen wird. Aufforderungen, dem Herzen des Herrn ein unbegrenztes Vertrauen zu schenken, finden sich auch in Briefen an seine Gemahlin Zita, desgleichen in Gesprächen mit Bedrückten aller Art: Das Heiligste Herz Jesu wird ihm helfen! - Er sagte das mit großer Überzeugung... Oder er ermutigte mit den Worten: Das Heiligste Herz Jesu wird das schon machen!

 

Dieser Text entstand aus Anlass der Segnung am Fest des Seligen Karl von Dr. Ildefons Manfred Fux . 21.10.2005

© Peter Staffler März 2006

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